Interview: Luftfahrt-Training und KI – Was jetzt schon hilft und worauf zu achten ist

Winfried Stecher, Leiter der E-Learning-Abteilung der wingsacademy, gibt im Interview wertvolle Einblicke in den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Luftfahrt-Training. Er erklärt, welche Chancen KI bietet, welche Herausforderungen noch bestehen und worauf Unternehmen beim Einsatz von KI im E-Learning achten sollten.



Redaktion:

Ob Messe, Kongresse, Tagungen – künstliche Intelligenz ist aktuell das Thema Nummer eins in nahezu allen Fachbereichen. Ist die KI auch im E-Learning schon angekommen?


Stecher:

Ja, definitiv. KI macht auch vor dem E-Learning nicht halt. Entwicklungen wie diese beeinflussen zwangsläufig, wie wir lernen – besonders im digitalen Raum.

Schon heute gibt es viele Tools, die künstliche Intelligenz nutzen und dabei helfen sollen, Online-Trainings zu produzieren. Gleichzeitig eröffnet KI neue Wege, das Lernen anders zu gestalten und Lernende individueller zu begleiten.


Redaktion:

Das klingt nach einer vielversprechenden Zukunft für das Luftfahrt-Training – und nach einem entspannteren Arbeitsalltag für Sie und Ihr Team?


Stecher:

Vielversprechend – ja. Entspannter – nein. Zumindest nicht so bald.


Redaktion:

Warum nicht? Wenn KI-Tools die Produktion von Online-Trainings erleichtern, spart das doch Zeit und Personal?


Stecher:

Man muss genau hinschauen: Was kann KI wirklich – und was braucht gutes E-Learning, besonders in der Luftfahrt? Schon die Auswahl passender Tools gleicht einem Marathon – ständig erscheinen neue Lösungen, mit denen man Fotos, Videos, Ton oder Avatare generieren kann.

Dazu kommen Fragen rund um Lizenzrechte und Urheberrecht. Letzteres ist rechtlich noch völlig ungeklärt – weltweit.

Und selbst wenn diese Hürden geklärt wären, bleibt der Aufwand, die Mitarbeitenden zu schulen. Zum einen rechtlich, beispielsweise zum AI-Act der Europäischen Union. Zum anderen im Umgang mit KI – sowohl toolbezogen als auch allgemein.

Wer KI nutzt, muss die Grenzen der KI kennen und vor allem kritisches Denken zeigen. Denn KI weiß nichts. Sie basiert auf Datenanalyse und Wahrscheinlichkeit. Das birgt Risiken – besonders im streng regulierten Luftfahrt-Training.


Redaktion:

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Risiken beim Einsatz von KI in der Produktion von Online-Trainings?


Stecher:

Das Hauptproblem: KI halluziniert. Fehlen ihr Daten oder sind Daten lückenhaft, erfindet die KI Antworten – scheinbar plausibel, aber inhaltlich falsch.

Man könnte schon fast sagen, KI menschelt. Denn auch wir Menschen glauben ja oft, etwas (besser) zu wissen, wollen uns keine Blöße geben und fallen auf Fake-News herein.
Nicht umsonst spricht man davon, eine KI zu trainieren – mit Informationen, Prozessen, Wissen. Oder kurz: mit Daten.

Im Kontext der Luftfahrt sind dies häufig sensible Daten. Meine Beschäftigten verfügen daher alle über eine positiv bescheinigte Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP). Ohne ZÜP kein Zugriff auf Inhalte zur Produktion von Luftsicherheitsschulungen.

Ein Training der KI muss somit mindestens in einem geschlossenen Raum erfolgen. Das kostet Zeit und braucht Kompetenz. Nicht nur einmalig, sondern stetig.


Redaktion:

Trotzdem sehen Sie auch große Chancen, richtig?


Stecher:

Selbstverständlich. KI kann Inhalte schneller und vielseitiger aufbereiten, als wir es bisher kannten. Ob Erklärvideos, virtuelle Avatare oder schlicht die Vertonung – vieles wird einfacher. Ein Bild zum Beispiel mit dem KI-Tool „Midjourney“ zu erstellen, klingt verlockend simpel.

Doch gute Ergebnisse brauchen Zeit – und müssen zu unserem Anspruch und dem unserer Kunden passen. Die Qualität bleibt entscheidend. Und die entsteht nur durch ein ausreichendes Training – der KI und der Beschäftigten, die KI nutzen und die Ergebnisse ins Online-Training einbinden.


Redaktion:

Was raten Sie Unternehmen, die KI im E-Learning einsetzen wollen – etwa zur Produktion von Online-Trainings?


Stecher:

Nehmen Sie sich Zeit. Laufen Sie keinem Hype hinterher. Setzen Sie sich ehrlich mit der Frage auseinander: Wo hilft uns KI wirklich – und wie groß ist der tatsächliche Nutzen? Starten Sie nicht mit Tools. Starten Sie mit Ihren Zielen!

Wenn Sie Tools vergleichen, prüfen Sie sie kritisch. Und stellen Sie sich vor allem diese eine Frage: Wenn ich nichts bezahle – womit zahle ich dann? Lesen Sie die AGB genau. Klären Sie Urheberrechte, Nutzungsbedingungen und achten Sie auf den Datenschutz. Beachten Sie zudem den AI-Act der EU. Sie sind schneller Betreiber im Sinne des Gesetzes, als Sie denken. Vergessen Sie dabei Ihre Beschäftigten nicht. Sie müssen lernen, mit der KI sicher und effizient zu arbeiten. Pflichtschulungen sind dabei nur der Anfang – es braucht tiefere Qualifizierung im Umgang mit den Tools.


Redaktion:

Das klingt nach viel Arbeit – aber auch nach vielen neuen Möglichkeiten.


Stecher:

Genau. Wer bereit ist zu investieren, steht vor einer spannenden Zukunft im E-Learning – mit KI als echter Unterstützung.


Redaktion:

Herr Stecher, vielen Dank!

 

 

 


Sie möchten mehr darüber wissen, wie KI das Luftfahrt-Training verändert oder haben Fragen zum Einsatz von Online-Trainings bei wingsacademy? Kontaktieren Sie uns gerne – wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

Hinweis: Das Bild dieser News wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Basis war ein eigens von der wingsacademy zu diesem Zweck entwickelter, sogenannter Prompt (oder eine ähnlich genannte Anweisung bzw. Vorgabe zur Eingabe im jeweiligen KI-Tool).

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